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2. CombiNet-Vernetzungstreffen 2026 in Koper

Ein innovativer Seehafen meistert seine Herausforderungen

Am 15. und 16.September hatten CombiNet-Mitglieder die Gelegenheit, die aktuellen Entwicklungen im Seehafen Koper aus nächster Nähe zu erkunden. Auf Einladung unseres CombiNet-Mitglieds Luka Koper und mit freundlicher Unterstützung von Sebastjan Šik und dem Team des Hafens konnten die 20 Teilnehmenden einen unmittelbaren Eindruck von den Herausforderungen im Zuge des Neubaus der Bahnstrecke und den neuesten Entwicklungen des Hafens bekommen. Daneben bestand natürlich auch ausreichend Gelegenheit für Gespräche und Vernetzung in einem wunderschönen Ambiente an der Oberen Adria.

Am ersten Tag stand die neue Bahnstrecke zwischen Koper und dem Bahnhof Divača im Mittelpunkt des Interesses. An mehreren Stationen entlang der Strecke bekamen die Teilnehmenden einen Eindruck von den Dimensionen und auch von den Herausforderungen, die diese Strecke an die Errichter stellte.

Die Neubaustrecke ersetzt die bestehende Trasse, die in den 1950iger-Jahren ursprünglich als „Anschlussgleis“ ausschließlich für den Hafen gebaut wurde und mit Steigungen bis zu 2,5 % enorme Herausforderungen an den Bahnbetrieb stellt. Die Strecke überwindet dabei einen Höhenunterschied von ca. 400 Metern, um in Divača an die Hauptstrecke in Richtung Ljubljana anzuschließen.

Mit der neuen Strecke wird die Steigung auf maximal 1,7 % reduziert, wodurch höhere Tonnagen, höhere Geschwindigkeiten und damit mehr Kapazität geschaffen werden können. Man geht von etwa einer Verdopplung der möglichen Zugtrassen aus.

Auch der Bau der Strecke war äußerst anspruchsvoll. Von den rund 27 Kilometern Neubaustrecke verlaufen mehr als 20 Kilometer durch Tunnel, der Rest über Brücken und Viadukte. Besonders herausfordernd war die Geologie des Karstgebirges mit seinen zahlreichen Höhlen. Um diese zu erhalten, mussten außergewöhnliche bauliche Lösungen gefunden werden. So wurde unter anderem eine „Brücke im Tunnel“ errichtet, die eine Höhle überspannt.

Aktuell ist die neue Strecke eingleisig fertiggestellt. Derzeit laufen technische Tests und Abnahmen. Erste Züge sind im Laufe des Jahres 2027 vorgesehen. Danach wird ein zweites Gleis errichtet, wobei größere Teile der Tunnelstrecken dafür bereits errichtet sind. Eine Inbetriebnahme ist für etwa 2030 vorgesehen.

 

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen des Hafens. Im Zuge einer Tour durch den Hafen konnten die Teilnehmenden einen Eindruck von den verschiedensten Umschlagmöglichkeiten gewinnen, die der Hafen seinen Kunden anbieten kann. Neben dem Containerumschlag bietet der Hafen auch Umschlagmöglichkeiten für Frischeprodukte, Schnittholz, verschiedene Bulkprodukte wie Soja oder Düngemittel sowie Flüssigprodukte wie Flugbenzin. Weitere wichtige Umschlaganlagen sind für Projektladungen, Fertigfahrzeuge und auch für Kohle und Erze verfügbar. Letztere haben eine besondere Bedeutung für die österreichische Stahlindustrie.

Im Containerverkehr ist der Hafen einer der wichtigsten Anlaufpunkte für Import- und auch Exportverkehre nach Mittelost und Asien. Insbesondere die Anbindung an Direktverkehre von und nach Fernost stellt einen großen Vorteil dar. Die weltpolitischen Rahmenbedingungen konnten bisher gut gemeistert werden. Der Hafen selbst ist technisch für die Abwicklung von Schiffen der 24.000-TEU-Klasse gerüstet.

In den verschiedenen Hafenbereichen sind diverse Ausbaumaßnahmen geplant. Im Containerumschlag können durch eine Pierverlängerung künftig zwei Liegeplätze für große Schiffe angeboten werden. Dadurch wird auch das Bahnteilmal auf sieben Gleise für bis zu 740 Meter lange Züge ausgebaut. Auch die Depotflächen werden erweitert. Die Umschlaggeräte werden ebenfalls erneuert und damit auf nachhaltige Elektroantriebe umgestellt.

Für den Umschlag von Projektladungen wird ebenfalls ein Liegeplatz erweitert, für das Handling von Stahlcoils wurde ein spezielles Lagerhaus entwickelt, welches die Flächennutzung durch ein neuartiges Stapelsystem wesentlich verbessert. Auch der Bereich für Fertigfahrzeuge wird durch die Errichtung eines weiteren Parkhauses weiter verbessert.

Darüber hinaus soll die Kapazität des bestehenden Rangierbahnhofs vor dem Hafen verdoppelt werden. Gleichzeitig werden die Anlagen für die Abwicklung von 740 Meter langen Zügen ausgebaut.

Insgesamt setzt der Hafen trotz der beengten Platzverhältnisse und der topografischen Herausforderung auf Effizienzsteigerung und auf bessere Anbindungen an das Hinterland. Seine neutrale Marktpositionierung macht den Hafen zu einer bedeutenden Drehscheibe für Verkehrsströme von und nach Österreich.

 

Wir bedanken uns beim Hafen Koper für die Gastfreundschaft und die vielen großartigen Eindrücke, die wir bei diesem Besuch bekommen haben.